|
|
|
|
|
Gesehen: 1788
Bewertungen: 0
|
|
Wenn allmählich die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, beginnt die Zeit der Trüffel. Von Oktober bis März etwa wird die Provence der Lieblingsplatz Ihrer Anhänger. An keinem anderen Ort der Welt gibt es eine derart reiche Ernte an verschiedenen schwarzen Trüfffel. Gemeinsam mit dem weißen "Alba-Trüffel" in Italien sind sie unter den rund 300 verschiedenen die Ersten unter Gleichen. In Begleitung eigener Hunde machen sich die Trüffelsucher im Spätherbst in den Steineichenwäldern Frankreichs und anderswo auf die Jagd nach den im Erdboden verborgenen schwarzen Smaragden. Die sprichwörtlichen Schweine sind als Erntehelfer aus der Mode gekommen: Sie haben Trüffel einfach selbst zum Fressen gern, was den Ertrag empflindlich schmälert. Schwein und Mensch wissen gleichermaßen: Trüffel ist nicht gleich Trüffel. Eher minderwertige Sorten wie die auch hierzulande zu findende "Tuber Mesentericum Vittadini" oder die "Choiromyces Meandriformis" lassen am Nimbus der Trüffel zweifeln. Doch wer einmal von einer "Tuber Magnatum" oder einer "Schwarzen Périgord-Trüffel" kosten durfte, wird der oft strapazierten Metapher eines Juwels für den Gaumen nicht widersprechen Wann der erste Feinschmecker für Frischkost der Trüffel verfiel, kann niemand sagen. Ganz sicher aber ist sie keine Entdeckung der Neuzeit. Bereits vor rund 5000 Jahren, in Mesopotamien, sollen die Menschen auf ihren Geschmack gekommen sein. Und da bekanntermaßen nicht nur die Liebe, sondern auch die Fantasie durch den Magen geht, regte die Knolle Gelehrte und Philosophen zu den abenteuerlichsten Vermutungen über ihre Herkunft an: Das Kind des Donners der Herbstgewitter sei sie, glaubte Theophrast. Plinius hingegen diagnostizierte eine Geschwulstkrankheit der Erde, hervorgerufen durch das verheerende Nebeneinander von Blitz und Donner, Hitze und Regen. Und Porphyrios wähnte gar die Götter selbst am Werk: Deren Tochter nämlich sei sie, die Trüffel. Was Wunder also, dass Kaiser und Könige sie zu ihrem Leibgericht erkoren.
Name: Benjamin Fritsch E-Mail: fritsch@liqui.net
|