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Die Münchner Weißwurst

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Die Münchner Weißwurst ist der kulinarische Klassiker Bayerns schlechthin und kann sich getrost zu den weltbekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen – naja, zu den Essenswürdigkeiten. Dass sie trotzdem nicht jeder mag, liegt sicherlich auch an ihrem absonderlichen Äußeren, das Wolfram Siebeck schon dazu verleitet hat, sie als „Albinopimmel“ zu beschimpfen. Traditionell wird die Weißwurst am frühen Morgen hergestellt und vormittags verzehrt – eine alte Empfehlung besagt, die Weißwürste dürften das Mittagsläuten nicht hören. Aber inzwischen gibt’s Kühlschränke, und die Spezialität kann den ganzen Tag über mit Brezel, süßem Senf und Weißbier genossen werden. Ihre Entstehungsgeschichte ist nichts für zarte Gemüter; das Vokabular scheint einem Splatterfilm entliehen: Am Rosenmontag 1857 stellte der Wirt des Gasthauses „Zum ewigen Licht“ zu seinem Entsetzen fest, dass ihm die Schafsdärme für die Kalbsbratwürstchen ausgegangen waren. Weil seine Gäste aber schon warteten und Not bekanntlich erfinderisch macht, füllte er kurzerhand Schweinedärme mit der Fleischmasse. Da er befürchtete, dass die Därme beim Braten platzen könnten, brühte er die neuartigen Würste in seiner Verzweiflung und in heißem Wasser. Entgegen seinen Ängsten nahmen die Gäste die Würste jedoch voller Begeisterung auf – ein neuer Stern war aufgegangen am kulinarischen Himmel der Bajuwaren. Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Rezepturen für die Weißwurst, die anfangs übrigens sehr teuer war, weil unter anderem Zitronen und gestoßenes Eis verwendet wurden. Heute gibt es so viele verschiedene Sorten, dass die „Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst“ im Jahr 2004 beschloss, bei der EU-Kommission einen Antrag auf Schutz der „Original Münchner Weißwurst“ als Herkunftsbezeichnung zu stellen. Übrigens ist die Gruselgeschichte von 1857 recht zweifelhaft: Vergleichbare Würste finden sich schon in französischen Kochbüchern aus dem 14. Jahrhundert.
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