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1502 lernte Christoph Kolumbus auf seiner vierten Expedition den Kakaobaum kennen. Die Früchte dieser Pflanze mit dem Namen Theobroma cacao dienten den Einheimischen nicht nur als Grundlage für ihren stärkenden Trunk, sondern auch als Zahlungsmittel. Sie waren so kostbar, dass man sie sogar zu fälschen versuchte. Ordinäre Bohnen wurden, je nach gewünschter Sorte, mit einer entsprechenden Farbe angemalt und sollen den echten Kakaobohnen täuschend ähnlich gesehen haben. Getrieben von ihrer Gier nach Gold, schenkten die spanischen Eroberer den unscheinbaren Bohnen allerdings keine weitere Beachtung. Der hohe Nährwert war ihnen zwar bekannt, doch empfanden sie den Geschmack als unangenehm.
Xocolatl, was soviel bedeutet wie “bitteres Wasser“, wurde bei den Azteken auch anläßlich kultischer Zeremonien getrunken, bei denen Menschen geopfert wurden. Möglicherweise hat auch dies den Spaniern die Lust auf Schokolade ein wenig vergrault. Kolumbus schickte dennoch einige Samen nach Europa, aber auch in der fernen Heimat konnte niemand so recht etwas mit ihnen anfangen. Wenige Jahre später hatte Hernan Cortez Gelegenheit Schokolade zu probieren, wie sie von den Azteken zubereitet wurde. Er brachte diese Rezeptur nach Europa, wo sie von einem erfinderischen Höfling leicht variiert wurde indem er der Schokolade, die im Wesentlichen aus zerstoßenen Kakaobohnen und heißen Wasser bestand, ein wenig Zucker hinzufügte. Generationen von Schokoladenliebhabern sollten ihm dafür dankbar sein, denn damit begann der Siegeszug der Schokolade. Zunächst beschränkte sich dieser auf das Spanische Königreich, das sehr genau darauf achtete, dass sein Monopol auf den Kakaohandel nicht gebrochen wurde. Außerhalb Spaniens war Schokolade deswegen zuerst nur in Portugal erhältlich, das sie aus seinen brasilianischen Kolonien importierte.
Erst spanische Juden, die sich aus Furcht vor der Inquisition in Südfrankreich bei Bayonne niederließen, brachten die Schokolade dann dankenswerterweise außer Landes. Doch auch hier stieß sie anfänglich auf sehr großes Mißtrauen. Ein französischer Priester meinte: “Schokolade ist ein Mittel von Zauberern und Hexen“, und die Schokoladenhersteller durften nur außerhalb der Stadtmauern Bayonnes ihrem süßen Gewerbe nachgehen. Im Jahre 1615 kam Hilfe gewissermaßen von ganz oben, als Anna von Österreich, eine spanische Prinzessin, den französischen König Ludwig XIII. heiratete und die Schokolade hoffähig machte. Eine weitere spanische Prinzessin, Maria Theresia, Gemahlin Ludwigs XIV., soll sich durch übermäßigen Schokoladenkonsum ihre Zähne ruiniert haben, doch kann man wohl eher dem beigegebenen Zucker die Schuld daran geben. Ebenso unwahr dürfte die Anekdote Madame de Sévignés sein, die ihrer Tochter 1675 zu berichten wußte: “Die Marquise de Coétlogon hat während ihrer Schwangerschaft so viel Schokolade getrunken, dass sie einen Knaben gebar, der war schwarz wie der Teufel und starb nach wenigen Tagen.“ Doch die Leidenschaft für Schokolade war nicht mehr aufzuhalten. In Holland und England eröffneten bald Schokoladentrinkstuben und Clubs, in denen man sich traf, schöngeistige Gespräche führte und Schokolade in allen erdenklichen Variationen verzehren konnte. Auch über hundert Jahre nach ihrer Einführung in Europa haftete ihr noch ein mythischer Hauch an.
So schrieb 1665 der Engländer James Wadsworth: “Alte Frauen werden frisch und jung/ der Fleischeslust verleiht es neuen Schwung/ es stärkt das Begehr- Du weißt schon Bescheid/ der Schokolade scharfe Süßigkeit.“ Da sie allerdings nicht gerade billig war, blieb sie lange Zeit ein Luxusartikel. In England mischte man der Schokolade Milch bei, und trug so wesentlich zu ihrer Popularität bei. Erst nach Wegfall der Luxussteuer, konnten sich auch weniger wohlhabende Menschen eine warme Tasse Schokolade leisten. Die Deutschen erhielten im 17. Jahrhundert Schokolade ausschließlich in Apotheken als Medizin und “Kräftigungsmittel“, doch auch hier wurden bald die ersten Kakaostuben eröffnet. Um 1780 entstand in Steinhude im Fürstentum Lippe die erste Schokoladenmanufaktur, man mißtraute allerdings den Künsten der deutschen Chocolatiers und beschäftigte deshalb portugiesische Fachleute. Politiker, Dichter und Denker des 18. und 19. Jahrhunderts waren der Schokolade verfallen.
So schrieb Gothe: “Wer eine Schokolade getrunken hat, der hält einen Tag auf der Reise aus. Ich tue es immer seit Herr von Humboldt es mir geraten hat.“ Schokolade wurde mehr und mehr zu einem Volksnahrungsmittel, und dank neuer Produktionsmethoden im 19. Jahrhundert erreicht die Leidenschaft für die Speise der Götter einen weiteren Höhepunkt. Es war nun möglich, Schokolade zu einer festen und kaubaren Masse zu verarbeiten. Die Geburtsstunde der Tafelschokolade besiegelt das Schicksal der kleinen, glatten Bohnen aus den Tropen: Schokolade ist aus unserem Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Der amerikanische Künstler und Karikaturist John Tullius (*1953) sagt “Neun von zehn Leuten mögen Schokolade. Der Zehnte lügt“.
Name: Francois Smesny E-Mail: kontakt@o-ton-produktion.de
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