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Leben langsame länger?

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1982 stellte die Bienenforscherin Angelika Neukirch fest, dass Bienen eine maximale Gesamtflugleistung von etwa 800 km haben. Sobald sie diese Strecke zurückgelegt haben, sterben sie. Beobachtungen zeigen, dass die faulsten Bienen, die sehr viel langsamer ihre "Flugkilometer" aufbrauchen, viel länger leben als die emsigen Insekten, die fleißig den ganzen Tag Honig sammeln. In schlechten, regnerischen Sommermonaten, wenn die Bienen insgesamt weniger ausschwärmen, werden die Arbeitsbienen entsprechend der eingesparten Kilometer deutlich älter. Interessant ist auch die Beobachtung, dass sich die langlebigen Bienen häufiger auf den Waben ausruhten, während die kurzlebigen Stockgenossinnen ständig geschäftig herumliefen. Energiesparen als Langlebigkeitsprinzip? So ein Quatsch! Das widerspricht doch völlig unseren Vorstellungen vom "Jungbleiben". Viel hilft viel ist die Devise im Fitnessstudio und auf dem Sportplatz. Wer nicht dynamisch agiert, gehört schon lange zum alten Eisen. "Aktivität und Dynamik ist vielleicht für das berufliche Fortkommen wichtig, alt werden aber vor allem die Menschen, die es eher geruhsam angehen lassen," hält Professor Dr. Peter Axt dagegen. Der Fuldaer Gesundheitswissenschaftler hat in seinem Bestseller "Vom Glück der Faulheit" das Prinzip des Energiesparens untersucht. "Betrachten Sie doch einmal die Berufsgruppenstatistik. Vor allem Geistliche wie Priester, Mönche oder Nonnen, aber auch Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler erreichen ein besonders hohes Lebensalter. Alles Personen, bei denen man eher erstaunt wäre, wenn man sie beim Joggen träfe. Leistungssportler und Schwerarbeiter sucht man in den oberen Rängen dieser Statistik vergeblich." Auch im Tierreich scheinen die Energiesparer den längeren Atem zu haben. Die gemütlichen Schildkröten können bis zu 150 Jahre alt werden, Krokodile fast 70 Jahre und Weinbergschnecken werden mit 18 Jahren immerhin älter als die meisten Hunde. Zum Energiesparprinzip scheint auch ausreichend Schlaf zu gehören. Während Mäuse höchstens vier bis fünf Jahre alt werden, erreicht die winterschlafende Fledermaus durchaus 30 Lebensjahre. Experimente bestätigen das: Drosselt man den Stoffwechsel von Fruchtfliegen oder Fischen, indem man sie in einer kalten Umgebung hält und senkt dadurch den Kalorienverbrauch, leben sie deutlich länger, Altersprozesse setzen später ein. Bereits 1908 fand der Münchner Physiologeprofessor Max Rubner die Erklärung für diese Zusammenhänge und etablierte die Stoffwechseltheorie. "In der aktuellen Diskussion über Alterungsvorgänge und Langlebigkeit wurde diese Theorie zunächst leider völlig ignoriert," bedauert Professor Axt. "Dabei gibt es unzählige Beobachtungen und Untersuchungen, welche die Richtigkeit belegen." Nach Rubners Berechnungen steht jedem Lebewesen – auch dem Menschen – bei der Geburt eine bestimmte "Lebensenergie", eine Kalorienmenge, die er im Laufe seines Lebens verbrauchen kann, zur Verfügung. Mit anderen Worten: Jedes Lebewesen startet mit einem fest definierten "Energiekonto" ins Leben. Von diesem Konto rufen wir während des ganzen Lebens ständig Energie ab. Früher oder später – je nach Lebensstil – ist das Energiekonto aufgebraucht und das Leben geht zu Ende. Dieser Theorie nach beschleunigt ein schnellerer Stoffwechsel, das heißt ein erhöhter Energieverbrauch, ganz erheblich den Alterungsprozess. Ein langes und gesundes Leben ist demnach vor allem eine Frage des Energiesparens. Doch Leben heißt Energie verbrennen. "Ein Stoff ist für alle Abläufe im Organismus, die Energie benötigen, unerlässlich: Sauerstoff," erklärt der "Faulheitsforscher" Prof. Axt. Und darin sieht er auch den Zusammenhang zwischen hohem Energieverbrauch und kurzer Lebensdauer: Jeweils etwa fünf Prozent des eingeatmeten Sauerstoffs werden in aggressive, zellschädigende Radikale verwandelt, die mit der Zeit den Körper vergiften, Alterungsvorgänge beschleunigen und Krankheiten hervorrufen können. Seit fast hundert Jahren ist bekannt, dass die Lebenszeit der Säugetiere umgekehrt proportional zum Sauerstoffverbrauch ist. Vor allem durch Sport, Stress und Essen erhöht sich der oxidative – durch Sauerstoff bedingte – Stress der Zellen. "Jeder, der sich beim Sport schon mal verausgabt und im Ziel nach Luft gerungen hat, weiß, wie stark hierbei der Sauerstoffbedarf ansteigt. Freie Radikale entstehen aber auch beim Abbau von Stresshormonen oder nach einer ausgiebigen Mahlzeit," so Axt. Langlebigkeit hingegen geht offensichtlich mit einer geringen Produktion von Sauerstoffradikalen einher. Doch gibt es eine "innere Uhr", die misst, wie viel Energie wir schon verbraucht, wie viel Sauerstoff wir eingeatmet haben? Möglicherweise tickt die Uhr in den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien. Hier wird aus Zucker und Sauerstoff die Energie gewonnen, die uns am Leben hält. Freie Sauerstoffradikale fallen dabei als notwendiges, aber schädliches Nebenprodukt an. Die Mitochondrien sind den Angriffen der freien Radikale besonders stark ausgesetzt, denn sie verfügen zwar über ein eigenes Erbgut, besitzen aber nicht das dazugehörige Reparatursysteme (Histone), welches die Schäden an der Erbsubstanz wieder ausbessern kann. Das ist ein fataler Fehler im System Mensch: Mit dem Alter und mit zunehmender Schädigung durch die aggressiven Verbindungen gehen mehr und mehr Mitochondrien-Kraftwerke zugrunde, die Energieproduktion läuft auf Sparflamme. Die Folgen für den Menschen: Der Körper wird allmählich schwächer, der Mensch altert. Mit steigendem Lebensalter stehen immer weniger Mitochondrien zur Verfügung, der Energieverlust nimmt exponentiell zu. Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass die abnehmende Energieproduktion und die zunehmende Schädigung des Organismus durch freie Radikale an der Entstehung zahlreicher typischer Alterskrankheiten wie Alzheimer, Zuckerkrankheit und auch Demenz beteiligt ist. Allerdings ist unser Organismus den freien Radikalen nicht völlig schutzlos ausgeliefert. Zahlreiche körpereigene Enzyme, Blutbestandteile und Antioxidantien aus der Nahrung schützen ihn bis zu einem gewissen Punkt vor diesem "oxidativen Stress". Forscher des Buck Institute of Age Research in Kalifornien haben kürzlich an einem "Mausmodell" den Zusammenhang zwischen den Schutzsystemen und Alterungsvorgängen aufgezeigt. Die kalifornischen Wissenschaftler arbeiten mit genmanipulierten Mäusen, denen ein wichtiges körpereigenes antioxidatives Entgiftungsenzym, die Superoxiddismutase (SOD) fehlt. Die Tiere entwickeln rasch neurodegenerative Veränderungen, die beim Menschen erst im hohen Alter auftreten und fallen binnen einer Woche dem Angriff der freien Radikale zum Opfer. Werden die Tiere allerdings mit dem synthetischen Radikalenfängern EUK-189 behandelt, der die fehlende SOD ersetzt, bleiben sie gesund und leben dreimal so lange. Ob auch Lebewesen mit funktionierenden antioxidativen Schutzenzymen von den synthetischen "Scavengern" profitieren, muss noch überprüft werden. Erste Studien an Würmern, deren Lebenspanne mit EUK-189 um 50% verlängert werden konnte, deuten allerdings darauf hin. Bis das "Supervitamin" für alle zur Verfügung steht, bleibt nichts anderes übrig, den oxidativen Stress durch eine vitaminreiche Ernährung, Gelassenheit und hin und wieder Faulheit zu reduzieren. Weitere Informationen: www.bleibjung.de

Name: Carsten Neumann
E-Mail: cn@med-kom.de

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