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Wie entwickelte sich der Markt für Düsenjets nach dem zweiten Weltkrieg? III

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3. Die Entwicklung des Flugzeugmarktes und der Hersteller  

Bis ins Jahr 1978 war der Weltmarkt für Flugzeuge fest in der Hand der drei großen amerikanischen Hersteller. Mit dem Markteintritt von Airbus wurden die Marktanteile neu gemischt. 1981 gab Lockheed die Produktion von zivilen Flugzeugen auf; 1991 sichert McDonnell Douglas sein Überleben durch einen Verkauf von 40% des Aktienkapitals an die Taiwan Aerospace Corporation. Airbus entwickelt sich im Laufe der 80er zum ernstzunehmensten Konkurrenten des Weltmarktführers Boeing (Markanteil 1990 über 50%)[1]. Wichtige Stationen des Wettbewerbs sollen hier kurz dargestellt werden.  

 3.1 Der Weg von Boeing zum Weltmarktführer

Ende der 60er Jahre brachte Boeing das Modell 747 auf den Markt. Dieser vierstrahlige Jet kann ohne aufzutanken 452 Passagiere über eine Strecke von 5000 Meilen beför­dern.[2] Das Flugzeug war das Ergebnis eines verlorenen Wettbewerbs um die Entwick­lung eines neuen Militärflugzeugs. Die Teilnehmer des Wettbewerbs profitierten von Re­gierungsgeldern. Boeing entschied sich ohne detaillierte Marktanalysen, für den Bau eines Flugzeugs, für das aufgrund seiner Größe nach Expertenmeinung überhaupt kein Bedarf bestand. Zunächst schienen sich diese Meinungen zu bestätigen, denn Boeing gelang es zwischen 1969 und 1972 nicht ein einziges Modell auf dem Heimatmarkt abzusetzen. Boeing überstand diese Situation nur mit den Gewinnen aus den 727 Modellen.[3] Als jedoch die erste Fluggesellschaft die 747 orderte, zogen andere nach, weil ein neues Modell auf dem damals streng regulierten Luftverkehrsmarkt ein großer Marketingvorteil war. Mit steigenden Verkaufszahlen profitierte Boeing zunehmend davon, als einziger Herstel­ler ein Modell von der Größenordnung der B 747 anzubieten. Ein weiterer Hersteller trat nicht auf den Markt. Diese Situation entspricht dem oberen rechten bzw. dem unteren linken Feld in der obigen Gefangenendilemmasituation. Aufgrund dieser Monopolstellung wurde Boeing zum größten Flugzeugbauer. Die B 747 wirft bei einem Systempreis von 150 Mill. $ einen Gewinn von 45 Mill. $ ab. Wegen dieser Gewinne ist Boeing der einzi­ge Hersteller, der während der letzten 20 Jahre kontinuierlich Gewinne machen konnte. 

 

3.2 Der wide-body Wettbewerb zwischen Lockheed und McDonnell Douglas  

Die beiden anderen großen amerikanischen Hersteller nutzen ebenfalls die Forschungser­gebnisse aus Regierungswettbewerben. Beide Hersteller entschieden sich jedoch für den Bau eines Flugzeuges derselben Größenklasse. Sowohl McDonnell Douglas als auch Lockheed entschieden sich für den Bau eines dreistrahligen Jets mit mittlerer Reichweite und Sitzplatzzahl; ein Flugzeug für das nach einer umfassenden Studie der größte Bedarf bestand.[4] DcDonnell Douglas brachte die DC 10 auf den Markt und Lockheed die L-1011. Diese Konkurrenzsituation entspricht dem Feld der Auszahlungsmatrix, wo beide Hersteller in den Markt eintreten (oben links), was zur Folge hat, dass beide Verluste ein­fahren. Die Kunden schlossen sich diesem Verhalten an und splitteten ihre Orders, ob­wohl ihnen bewusst war, dass langfristig nicht beide Hersteller überleben konnten und ihr Verhalten zu höheren Kosten führen würde.[5] Aufgrund der profitablen Militäraufträge ließen sich beide Hersteller auf den aussichtslosen Wettbewerb ein, anstatt durch koordi­niertes Verhalten mögliche Gewinne zu erzielen. Auch die amerikanische Regierung griff nicht in den Markt ein. 

Der Wettbewerb zwischen den beiden Konkurrenten hatte weitreichende Folgen. 1971 entging Lockheed nur durch Regierungsgarantien der Pleite und musste 1981 endgültig aus der zivilen Luftfahrt aussteigen. Auch McDonnell Douglas hätte besser daran getan die DC 10 nicht zu bauen. Zwischen 1969 und 1989 verlor DcDonnell Douglas insge­samt mehr als eine Mrd. $, hauptsächlich wegen der Konkurrenz mit Lockheed. Hiervon hat sich McDonnell Douglas nicht wieder erholt,[6] und sah sich 1991 zu einer Allianz mit Taiwan Aerospace gezwungen.   

 

3.3 Der Markteintritt von Airbus

1965 tauchte zum ersten Mal die Idee auf eine europäische Flugzeugindustrie aufzubauen mit Europa als Heimatmarkt. Dieser Idee lag die Erkenntnis zu Grunde, dass die Binnen­märkte jedes Landes der EG zu klein für den Aufbau einer solchen Schlüsselindustrie sind. Es dauerte aber noch 13 Jahre bis die Europäer zu einer wirklichen Allianz zusam­menfanden.[7] Das erste Airbus Modell wurde von Deutschland und Frankreich entwic­kelt. Erst 1979 trat Großbritannien dieser Allianz bei. Der Durchbruch gelang Airbus mit dem A 300B, einem zweistrahligen Jet. Das Flugzeug entsprach Vorschlägen, die Ameri­can Airlines machte. Die Europäer besetzten damit eine noch freie Marktlücke, die die amerikanischen Hersteller mit geringeren Kosten hätten besetzen können.[8] Dabei profi­tierte Airbus besonders von dem Wettbewerb zwischen McDonnell Douglas und Lock­heed. Hätte McDonnell Douglas anstatt der DC 10 einen ebenfalls geplanten zweistrahligen Jet gebaut, wäre Airbus der Markteintritt wahrscheinlich nicht gelungen.[9] Durch den Durchbruch des A 300B war der Grundstein für die Entwicklung einer Produktfamilie gelegt. Hierdurch konnte sich Airbus zum zweitwichtigsten Anbieter auf dem Weltmarkt etablieren.  

 


[1] Vgl. 158/159

[2] Vgl. Table 5.6, S.180/181

[3] Vgl. 186

[4] Vgl. 185

[5] Vgl. 187

[6] Vgl. S. 190

[7] Vgl. S. 184

[8] Vgl. S. 188

[9] Vgl. S. 187

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