In der vorliegenden Untersuchung wurden die wichtigen Rahmendaten des Marktes für Großraumflugzeuge dargestellt. Hohe Investitionskosten sowie Lern- und Kreuzlerneffekte erzwingen große Unternehmensgrößen. Aufgrund der Kostensituation und der Begrenzung der Nachfrage tendiert der Markt in Richtung eines natürlichen Monopols, das aber aufgrund von Regierungsinterventionen aus unterschiedlichsten Motiven bis heute nicht existiert. Weil der Markt aber für zwei Hersteller zu klein ist, können diese ohne Subventionen nicht existieren. Aufgrund direkter Subventionen der Europäer und einer kurzsichtigen Politik haben die Amerikaner ihre eindeutige Führungsposition im Flugzeugbau verloren. Um ihre eigene Position nicht weiter zu schwächen, brauchen die USA eine Umorientierung in ihrer Wirtschaftspolitik. Die amerikanische Administration und mit ihr die beiden noch verbliebenen Hersteller sehen sich heute wichtigen internen und externen Herausforderungen gegenüber. Zur Lösung der internen Probleme bedarf es einer Kehrtwendung in der Industriepolitik, zur Lösung der externen einer neuen Handelspolitik. Nach dem Rückgang der Militärausgaben müssen die Amerikaner, so Tyson, von der Doktrin abrücken, daß die Konversionsprobleme durch die Marktkräfte gelöst werden.[1]
Außerdem sollte die amerikanische Regierung ihre Politik und deren Auswirkungen dahingehend überprüfen, ob sie überhaupt im Interesse des Landes sind. So profitierten in der Vergangenheit die einheimischen Hersteller von den hohen Verteidigungsausgaben, aber es ist sehr fraglich, ob der daraus resultierende "wide-body"-Wettbewerb zwischen Lockheed und McDonnell im Interesse des Landes war. Der Taiwan-Deal von McDonnell ist ein Indiz, dass sich bis heute an der Politik, die unterstellt, die privaten Interessen der Unternehmen seien im Interesse des ganzen Landes, nichts wesentliches geändert hat. Durch diese Allianz besteht immerhin die Gefahr, dass ein neuer Konkurrent außerhalb Europas aufgebaut wird, mit dem Resultat, dass wie zuvor im Airbusfall Produzentenrenten und Arbeitsplätze von den USA in andere Länder verschoben werden. Dies würde besonders die Marktstellung von Boing treffen, die mit dem Airbus A350 in Zukunft gefährdet sein könnte, weil Boeing das 747-Monopol verliert. Darüber hinaus ist ein dritter potenter Hersteller problematisch, weil der Weltmarkt wie oben bereits erwähnt für zwei Hersteller, die eine komplette Produktfamilie anbieten, zu klein ist. Auch in der Außenhandelspolitik muss es nach Tysons Ansicht zu einer Neuausrichtung kommen, um den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich begegnen zu können. Das 92er Gatt-Agreement hat weder die existierenden Probleme gelöst, noch den Schaden vergangener europäischer Subventionen wiedergutgemacht.[2]
Tyson fordert, die amerikanische Regierung müsse aufhören darauf zu hoffen, daß das Ausland mit der Subventionierung ihrer Industrien aufhört, und statt dessen auf solche Subventionen mit kompensierenden Eingriffen in den heimischen Markt antworten.[3] Bei der Frage der Subventionen muss es ganz allgemein darum gehen diejenigen Subventionen zu bekämpfen, die schädlich sind für den Wettbewerb, und diejenigen zu fördern, die Innovationen beschleunigen.[4] Eine solche Haltung zu Subventionen würde der Tatsache Rechnung tragen, dass auch die amerikanischen Luftlinien von europäischen Subventionen profitieren. Die Aufregung der Regierung bei vermeintlichen und tatsächlichen Verstößen der Airbus-Förderungen gegen Gattvereinbahrungen erscheint in einem etwas eigenartigen Lichte, in anbetracht des McDonnell-Taiwan Aerospace Deals, dem nicht der nötige Widerstand entgegengebracht wurde. Denn hier besteht die Gefahr, dass eine mehrheitlich amerikanische Unternehmung mit Hilfe chinesischer Subventionen, die von Amerika unterzeichneten Gatt-Vereinbarungen bricht. Auch hat die Regierung die Gefahr der Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern nicht erkannt.[5] Eine neue amerikanische Handels- und Industriepolitik muss diese aufgezählten Punkte in Betracht ziehen, damit die bisherige wahllose Politik der Industriepolitik über den Verteidigungshaushalt abgelöst werden kann durch eine zukunftsweisendere Politik.
Horvath, Peter; Controlling, 2., neubearbeitete Auflage, München, 1986.
Tyson, Laura D'Andrea; WHO' S BASHING WHOM?, Washington, DC, November 1992
Schumann, Jochen; Grundzüge der mikroökonomischen Theorie, fünfte, revidierte und erweiterte Auflage, Berlin usw., 1987.
Autor: Klaus-Martin Meyer, 1993 (oder war es 1994?)
[1] Vgl. S. 211
[2] Vgl. S. 210
[3] Vgl. S. 210
[4] Vgl. S. 213
[5] Vgl. S. 210