Die private Krankenversicherung ist eine ökonomisch betrachtet eineVersicherung, die es theoretisch gar nicht geben sollte. Warum ist das der Fall? Ökonomen erklären diese Theorie mit der asymmetrischen Informationsverteilung zwischen dem Versicherungsnehmer (nämlich dem Kunden) und dem Anbieter einer privaten Krankenversicherung (also der Versicherungsgesellschaft). Die Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass nur derjenige Kunde eine private Krankenversicherung einkauft, der davon ausgeht, dass er mehr aus der Versicherung herausbekommt als er in selbige einbezahlt.
Die Gelder, die der Versicherungsnehmer aus der Versicherung herausbekommt, sind die Prämien, die er für Ärzte und Heilmittel braucht, um wieder gesund zu werden. Beides ist wiederum abhängig von seinem allgemeinen Gesundheitszustand. Diesen kann der Versicherungsnehmer bei Abschluss der Versicherung aber besser einschätzen als die Versicherungsgesellschaft. Die asymmetrische Informationsverteilung fällt also zu Gunsten des Versicherungsnehmers aus, denn der Anbieter der privaten Krankenversicherung kann die Gesundheit des Kunden weitaus schlechter beurteilen. Für den Kunden macht es in der Theorie also nur Sinn eine Versicherung abzuschließen, wenn der subjektiv betrachtet kranker ist, als für die Versicherung gut ist. Weil sich alle Wirtschaftssubjekte der Theorie nach so verhalten würden, müssten alle privaten Krankenversicherungen Pleite machen.
Warum gibt es in der Praxis dennoch private Krankenversicherungen? Das wichtigste Argument ist sicher, dass die Krankenversicherung in vielen Ländern der Welt eine Pflichtversicherung ist. Der Kunde ist also gezwungen sich zu versichern. Zudem ist die reale Welt nicht so perfekt, wie die theoretische Welt der Ökonomen. Den meisten Menschen fällt es schwer, die eigene Gesundheit langfristig richtig einzuschätzen. Zudem befragen die Versicherungen mitunter auch die Ärzte des Versicherungsnehmers, um sich einen Eindruck über dessen Gesundheitszustand zu machen.
Klaus-Martin Meyer